Räuberpfanne stiehlt ein „n“

In der Sächsischen Zeitung erschien heute in der Samstags-Reportage ein Artikel über unser Angebot. Vielen Dank an Ivette Wagner für den schönen Tag auf dem Dresdner Striezelmarkt.

Der Duden ist ihre Waffe. Karen Arnold und Daniel Große suchen und finden auf dem Striezelmarkt Rechtschreibfehler.

Habt ihr nichts Besseres zu tun?“, fragt Gisela Ungar. Die Bewegung der Hand zum Kopf lässt sie, dafür stemmt sie den Arm an ihre Hüfte. „Die Leute weisen uns darauf hin, dass Crêpe falsch geschrieben ist.“ Dem finsteren Blick folgt ein Lächeln. „Drei verschiedene Varianten konnten wir allein an ihrem Stand finden“, sagt Karen Arnold. Gemeinsam mit ihrem Partner Daniel Große durchkämmt sie den Striezelmarkt. Nicht auf der Suche nach dem Weihnachtsmann, sondern nach Rechtschreibfehlern. „Die Schriften hat eine Werbeagentur für uns gemacht“, sagt Gisela Ungar. „Was dran ist, ist aber dran. Im nächsten Jahr passiert uns das nicht.“

Apostrophe als Katastrophe

Karen Arnold und Daniel Große beschäftigen sich zum Einkommenserwerb mit Fehlinterpretationen der deutschen Sprache. Ihr Spezialgebiet: Speisekarten. „In jedem Restaurant wird Mühe darauf verwendet, Tischdecken aufzulegen, leckere Speisen zu servieren“, sagt Karen Arnold. „Doch in den Speisekarten finden sich die absurdesten Fehler.“ Schon hat sie den nächsten entdeckt. „Apostrophe sind wirklich eine Katastrophe“, so die studierte Anglistin. Da wird in Tees das kleine Häkchen reingebastelt. Und schon schüttelt es Karen Arnold. „Ein grässlicher Anblick“, sagt sie.

Der nächste Schüttelalarm ereilt sie bei Crepe’s oder Heide’s Glühwein. „Die Leute sehen solche Fehler so oft, bis sie selbst glauben, dass es richtig ist“, sagt Daniel Große. Bei der angepriesenen „thüringer Bratwurst“ lächeln beide noch milde, obwohl ein großes „T“ hier korrekt wäre. Fehlende Bindestriche zwischen Kalt- und Warmgetränken, Teuerfleich statt Feuerfleisch oder die unglaubliche Abkürzung „Entenchamp.-pfanne“ bringen sie nicht aus der Ruhe.

Bulette wird zum Beefsteak

„Guck mal, was ist das für ein Getränk“, sagt Karen Arnold und zieht ihren Partner mit sich. „Bei Worten wie Caipirinha sollte man lieber zweimal hinschauen und kontrollieren“, sagt sie. Bei der wohlschmeckenden Bulette nehmen die Patzer-Detektive auch erst einmal den Duden in die Hand. Nur in ihm findet sich die Wahrheit. Die beiden Verkäuferinnen hinter dem Tresen, die die Fleischspeise anbieten, wollen es nicht glauben. „Bisher haben wir das immer mit ‚ou‘ geschrieben“, sagt Uta. Nach dem Blick in das Buch der Bücher nimmt sie ein Stück Kreide und tilgt den Schnitzer. „In Zukunft machen wir ein Beefsteak draus und haben keine Probleme mehr“, sagt sie.

Ein paar Stände weiter fehlt ein „n“ in den Champignons. „Daneben ist ja gleich die Räuberpfanne, die hat halt einfach den Buchstaben geklaut“, sagt Karen Arnold. Das nächste Problem lässt den Adrenalinspiegel bei Daniel Große und seiner Geschäftspartnerin mehr ansteigen. Café Alpengletscher, Café Baileys und Café Mafioso werden angeboten. „Ich weiß, dass der Kaffee das ist, was man trinkt, und ins Café geht man“, sagt Kaffee-Verkäuferin Margitta. „Die deutsche Sprache ist schließlich mein Hobby.“ Die Standgestalter und ihr Chef haben damit aber wohl nichts am Hut.

Die nächsten Kunden eilen heran und bestellen. Ihnen ist die Rechtschreibung egal, sie wollen einen Kaffee. „Sicherlich schmeckt eine Bratwurst nicht schlechter, nur weil sie falsch geschrieben wird“, sagt Daniel Große. „Aber ein Fehler ist nun mal ein Fehler.“

www.gastro-text.de

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